Therese Bichsel: Ihr Herz braucht einen Mann

 


 
 

Für Therese Bichsel als Schriftstellerin des 21. Jahrhunderts brachte die Auseinandersetzung mit der Schriftstellerin aus dem 18. Jahrhundert interessante Vergleiche. Als Grundlage für den Roman benutzte sie vorab die Schriften, die Marianne Ehrmann publiziert hatte. Wie in ihren anderen Büchern legt Bichsel Wert auf historische Fakten. Sie hat viel recherchiert und sich an den Originalschauplätzen umgesehen. Während dieser Recherche wuchs aus den Fakten die Romanfigur – eine Marianne, wie sie hätte fühlen und denken können. Nach dem Roman über die ‹Schöne Schifferin› (19. Jahrhundert) und ‹Catherine von Wattenwyl (17. Jahrhundert) schliesst Therese Bichsel mit ihrem neuen Buch die Lücke im 18. Jahrhundert und vollendet so eine Trilogie von drei Romanbiografien. Jungfrau Zeitung

 

 

 
 

Weiber werdet weise!
Die Realität von Marianne Brentano sind die Männder, die ihre Biografie teils unglücklich und schmerzhaft prägen. Mit ihrem Schritt in die Unabhängigkeit wächst Mariannes Selbstvertrauen und mit ihm die Gewissheit, dass sie etwas zu sagen hat, was alle Frauen etwas angeht. Therese Bichsel gelingt ein eindrücklich lebendiges Porträt. Sie zeigt Marianne Brentano als selbständige, temperamentvolle Frau. ‹Ihr Herz braucht einen Mann› ist nach ‹Die schöne Schifferin› und ‹Catherine von Wattenwil› Therese Bichsels dritter Roman über historische Frauenschicksale. Die Berner Autorin versteht es mit ihrem direkten Stil, der klaren Sprache und der Schilderung unzähliger zeitgenössischer Besonderheiten, eine vergangene Zeit nahe zu bringen. Mit den eingeschobenen fiktiven Briefen an die Mutter baut sie eine unmittelbare Nähe auf. Mariannes Ruf: «Mädchen und Weiber, benützt meine Erfahrungen durch Nachdenken und – werdet weise!» weckt Neugierde auf ihr originales Werk und seine Bedeutung für die Gegenwart.
Brigitta Schmid, St. Galler Tagblatt

Therese Bichsel schreibt das Porträt dieser früh verstorbenen Schriftstellerin mit viel Sensibilität und sprachlicher Präzision, Schnörkellos, direkt, einfach und doch mit feinen Anspielungen, die ebenso unvermittelt treffen können. Die Schriftstellerin trägt ihre eigenen Gedanken über ihre Kollegin aus früherer Zeit in den Roman. Sie gibt der porträtierten Frau ein Gesicht, das den Leser berührt und die Entwicklung der Frau im Allgemeinen beleuchtet.
Susi Hofmann, Zürcher Oberländer / Anzeiger von Uster

Der auf den ersten Blick sentimental wirkende Titel täuscht: Keine traurige Liebesgeschichte wird hier geboten. Therese Bichsel, Spezialistin auf dem Gebiet der historischen Romanbiografie, erzählt vielmehr die letzten zwanzig Jahre des Lebens der Schrifststellerin Marianne Ehrmann-Brentano (1755–1795) nach. In ihrer Philosophie eines Weibs von 1784 gibt Ehrmann unter anderem Ratschläge, wie man sich lästiger Verehrer erwehren könne. «Bey einem solchen süssen Herrchen lachen Sie ohne Bedenken, und schonen Sie nicht. Schnappen Sie ihn ab, und sagen Sie ihm: Ihr Herz brauche einen Mann, und keinen Wurm.» Diese Frau wollte ihr Leben selbst bestimmen, ein Zug, dem die Gesellschaft mit Misstrauen begegnete. Gegenstand des auf ausgedehnten Recherchen beruhenden Buches ist vor allem der Weg der in Rapperswil geborenen Marianne vom Tod der Mutter über die erste Ehe, Scheidung und unstetes Leben als Schauspielerin bis zur zweiten Ehe mit dem erfolglosen Schriftsteller Theophil Ehrmann.
dwo, Der Landbote

«Wenn aber ein thätiges Frauenzimmer ihre Sachen so einzurichten weiss, dass eins mit dem andern besorgt wird: Was geht es dann die Männer an, wenn wir unsere müssigen Stunden mit Lesen oder Schreiben ausfüllen wollen?»
Das sind Worte, die ausgangs des 18. Jahrhunderts den wenigsten Männern und nicht einmal allen Frauen lieblich in den Ohren klangen. Die, die sie gedacht, gewagt und geäussert hat, nach Jahren der Reifung und bitterer Erfahrungen, ist die 1755 in Rapperswil am Zürichsee geborene Marianne Ehrmann-Brentano; dieser gilt die neue, lesenswerte Romanbiografie von Therese Bichsel.
Dass sich Marianne Brentano dereinst einen Namen machen würde als Schriftstellerin und Herausgeberin von Frauenzeitschriften, das war ihr nicht
in die Wiege gelegt, sie musste sich, wie Therese Bichsel gut dokumentiert darzustellen weiss, ihre Position erleiden und erkämpfen. Aus einem verarmten Bürgerhaus stammend, verschlug es sie nach Süddeutschland. Einige Stationen ihres anfänglich so Wechsel- und hindernisreichen Werdegangs: Haushälterin und Erzieherin – Ehe mit einem Offizier, der sich als Spieler entpuppt, und baldige Trennung – Schauspielerin bei verschiedenen Wandertruppen – erste Veröffentlichungen ab 1784: Müssige Stunden eines Frauenzimmers, Philosophie eines Weibs, Leichtsinn und gutes Herz oder die Folgen der Erziehung – zweite Ehe mit dem sieben Jahre jüngeren Theophil Ehrmann. Mit diesem zusammen kreiert sie zur Hauptsache in Stuttgart mit unterschiedlichem Erfolg und immer hart am Rande der Armut Zeitschriften für Frauen, für die sie zahlreiche eigene Beiträge verfasst.
Was hier stichwortartig aufgezählt ist, stattet Therese Bichsel mit liebevollem, detailreichem Zeit- und Lokalkolorit aus. Sie lässt dramatische Ereignisse und heftige Empfindungen stark auf die Leserinnen und Leser einwirken, wobei sie sich in der Ausdrucksweise manchmal sehr der Sprachmanier und der Gefühlsskala einer Marianne Brentano annähert. Um die wechselvollen Geschehnisse und nicht zuletzt die innere Reifung und Verselbständigung der Protagonistin erzählerisch in den Griff zu bekommen, lässt Bichsel diese (fiktive) Briefe an die früh verstorbene Mutter schreiben. Das verleiht dem Buch ansprechende persönliche Färbung und Wärme.
Charles Cornu, Der Bund

Es sind die Lebensbedingungen einer Berufskollegin früherer Zeiten, welche die heutige Romanautorin und Journalistin interessiert haben: «Sie war zwar keine Feministin, aber sie hat sich vehement eingesetzt für den Wert der Frauenbildung.»
Therese Bichsels Buch überzeugt durch die Anteilnahme weckende Einfühlung in die äussere und innere Welt einer Frau aus vergangener Zeit. Geschickt lässt sie diese selber zu Wort kommen, nicht nur in Zitaten aus ihren Schriften, sondern auch in fiktiven Briefen an die verstorbene Mutter.
Und bewundernswert ist die Fülle präzise recherchierter Details. Sie erlauben uns, wie in einem sorgfältig gemachten historischen Film durch die Gassen aller Städte zu bummeln, Bürgerhäuser wie Paläste zu betreten. Dabei bekommen wir mit, wie die Menschen lebten, wie sie sich kleideten, sogar was sie assen. Ein faszinierendes Zeitgemälde.
Marie-Louise Zimmermann, BZ

Mit grosser Spannung und Anteilnahme habe ich das neue Buch von Therese Bichsel gelesen. Es vermittelt nicht nur lebendige Einblicke in das Leben einer ungewöhnlichen Frau. Es greift auch Probleme des Zusammenlebens auf, die nichts an Aktualität eingebüsst haben. Ich denke dabei besonders an die Passagen, in denen von Liebe und Freundschaft, von der Veränderung der Liebe in der Ehe die Rede ist. Mit ist zudem bewusst, dass trotz einem veränderten Bewusstsein auch heute noch viele Frauen das Schicksal einer Marianne Ehrmann-Brentano in vielem teilen. Ich werde das Buch mit Überzeugung in meinen Kursen und bei Buchpräsentationen in Bibliotheken vorstellen.
Die Verfasserin der ‹Philosophie eines Weibs› (erschienen 1785) erkämpfte die Anerkennung der Frauen als unentbehrlicher Part für das Funktionieren der Gesellschaft und der Ehe. Marianne Ehrmann-Brentano kommt 1755 in Rapperswil zur Welt. Sie zieht verarmt und nur schlecht geduldet als Magd, Putzmacherin und Wanderschauspielerin umher. Schliesslich lässt sie sich in Strassburg nieder und arbeitet zusammen mit ihrem zweiten Mann an der Herausgabe verschiedener (Frauen)Zeitschriften. Die offizielle Marianne ist streitbar und keck, die privat eine liebebedürftige, oft überforderte, ja depressive Frau. Diese widerstreitenden Seiten zeigt Therese Bichsel mit verschiedenen Textsorten (Briefe, Erzählung, Zitate). Die dadurch entstehenden Längen fordern den Leser allerdings heraus. Das Porträt wird viel Nachfage, vor allem von Frauen, erfahren.
Prof. Dr. Heinrich Boxler, Feldmeilen

Die Autorin bringt einem detailreich die Schwierigkeit einer Frau zur Zeit der Aufklärung nahe, die ihren Lebensunterhalt mit Schreiben verdienen muss. Es ist das Leben einer Frau, die einen sozialen Abstieg erlebte, einen spielsüchtigen Offizier heiratete und schliesslich in Theophil Ehrmann die grosse Liebe findet.
Sie gründet die erste Frauenzeitschrift, ist inhaltlich erfolgerich, aber am Ende des 18. Jahrhunderts ökonomisch noch etwas zu früh. Ich erfuhr in diesem Roman viel Nützliches über Deutschland und die mittelständischen Frauen vor der französischen Revolution. kl, PS.

Die 1755 in Rapperswil geborene Marianne muss eine sehr mutige Frau gewesen sein. Oder vielleicht auch von innen heraus getrieben. Zu ihrer Zeit konnte eine Frau weder intellektuell noch ausserhalb der Ehe existieren. Tat sie es doch, waren ihr der Hass und die Verfolgung durch die Gesellschaft und deren Regeln gewiss. Marianne wurde unglücklich verheiratet, brach aus der Ehe aus, konnte jahrelang nur als wandernde Schauspielerin weiterleben. Später heiratete sie aus Liebe und schrieb Bücher und Texte. Der Skandal war gross. Eine schreibende Frau!!! Die Lebensgeschichte der Marianne Ehrmann-Brentano ist herzzerreissend, mutmachend und wunderbar geschrieben. TAXI