![]() |
|
|
Therese Bichsel: Ihr Herz braucht einen Mann |
|
![]() |
Für Therese Bichsel als Schriftstellerin des 21. Jahrhunderts brachte die Auseinandersetzung mit der Schriftstellerin aus dem 18. Jahrhundert interessante Vergleiche. Als Grundlage für den Roman benutzte sie vorab die Schriften, die Marianne Ehrmann publiziert hatte. Wie in ihren anderen Büchern legt Bichsel Wert auf historische Fakten. Sie hat viel recherchiert und sich an den Originalschauplätzen umgesehen. Während dieser Recherche wuchs aus den Fakten die Romanfigur eine Marianne, wie sie hätte fühlen und denken können. Nach dem Roman über die ‹Schöne Schifferin› (19. Jahrhundert) und ‹Catherine von Wattenwyl› (17. Jahrhundert) schliesst Therese Bichsel mit ihrem neuen Buch die ‹Lücke› im 18. Jahrhundert und vollendet so eine Trilogie von drei Romanbiografien. Jungfrau Zeitung |
|
|
|
|
Weiber werdet weise! Therese Bichsel schreibt das Porträt dieser früh verstorbenen Schriftstellerin mit viel Sensibilität und sprachlicher Präzision, Schnörkellos, direkt, einfach und doch mit feinen Anspielungen, die ebenso unvermittelt treffen können. Die Schriftstellerin trägt ihre eigenen Gedanken über ihre Kollegin aus früherer Zeit in den Roman. Sie gibt der porträtierten Frau ein Gesicht, das den Leser berührt und die Entwicklung der Frau im Allgemeinen beleuchtet. Der auf den ersten Blick sentimental wirkende Titel täuscht: Keine traurige Liebesgeschichte wird hier geboten. Therese Bichsel, Spezialistin auf dem Gebiet der historischen Romanbiografie, erzählt vielmehr die letzten zwanzig Jahre des Lebens der Schrifststellerin Marianne Ehrmann-Brentano (17551795) nach. In ihrer ‹Philosophie eines Weibs› von 1784 gibt Ehrmann unter anderem Ratschläge, wie man sich lästiger Verehrer erwehren könne. «Bey einem solchen süssen Herrchen lachen Sie ohne Bedenken, und schonen Sie nicht. Schnappen Sie ihn ab, und sagen Sie ihm: Ihr Herz brauche einen Mann, und keinen Wurm.» Diese Frau wollte ihr Leben selbst bestimmen, ein Zug, dem die Gesellschaft mit Misstrauen begegnete. Gegenstand des auf ausgedehnten Recherchen beruhenden Buches ist vor allem der Weg der in Rapperswil geborenen ‹Marianne› vom Tod der Mutter über die erste Ehe, Scheidung und unstetes Leben als Schauspielerin bis zur zweiten Ehe mit dem erfolglosen Schriftsteller Theophil Ehrmann. «Wenn aber ein thätiges Frauenzimmer ihre Sachen so einzurichten weiss, dass eins mit dem andern besorgt wird: Was geht es dann die Männer an, wenn wir unsere müssigen Stunden mit Lesen oder Schreiben ausfüllen wollen?» Es sind die Lebensbedingungen einer Berufskollegin früherer Zeiten, welche die heutige Romanautorin und Journalistin interessiert haben: «Sie war zwar keine Feministin, aber sie hat sich vehement eingesetzt für den Wert der Frauenbildung.» Mit grosser Spannung und Anteilnahme habe ich das neue Buch von Therese Bichsel gelesen. Es vermittelt nicht nur lebendige Einblicke in das Leben einer ungewöhnlichen Frau. Es greift auch Probleme des Zusammenlebens auf, die nichts an Aktualität eingebüsst haben. Ich denke dabei besonders an die Passagen, in denen von Liebe und Freundschaft, von der Veränderung der Liebe in der Ehe die Rede ist. Mit ist zudem bewusst, dass trotz einem veränderten Bewusstsein auch heute noch viele Frauen das Schicksal einer Marianne Ehrmann-Brentano in vielem teilen. Ich werde das Buch mit Überzeugung in meinen Kursen und bei Buchpräsentationen in Bibliotheken vorstellen. Die Autorin bringt einem detailreich die Schwierigkeit einer Frau zur Zeit der Aufklärung nahe, die ihren Lebensunterhalt mit Schreiben verdienen muss. Es ist das Leben einer Frau, die einen sozialen Abstieg erlebte, einen spielsüchtigen Offizier heiratete und schliesslich in Theophil Ehrmann die grosse Liebe findet. Die 1755 in Rapperswil geborene Marianne muss eine sehr mutige Frau gewesen sein. Oder vielleicht auch von innen heraus getrieben. Zu ihrer Zeit konnte eine Frau weder intellektuell noch ausserhalb der Ehe existieren. Tat sie es doch, waren ihr der Hass und die Verfolgung durch die Gesellschaft und deren Regeln gewiss. Marianne wurde unglücklich verheiratet, brach aus der Ehe aus, konnte jahrelang nur als wandernde Schauspielerin weiterleben. Später heiratete sie aus Liebe und schrieb Bücher und Texte. Der Skandal war gross. Eine schreibende Frau!!! Die Lebensgeschichte der Marianne Ehrmann-Brentano ist herzzerreissend, mutmachend und wunderbar geschrieben. TAXI |
|
|
|
|