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Belletristik

 

 

 
     

Brühlmann-Jecklin Erica

Alice singt

Die Geschichte eines Verdingkindes

Erstausgabe 2012, 2. Aufl. 2012,
Klappenbr., A5, 232 S.,
plus CD mit Liedern,
gesungen von den ‹Drei Bündnerinnen›

ISBN 978-3-7296-0842-9
CHF 36.00 / EUR 30.00


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> Leseprobe

 

Als Erstes erinnerte sich Alice ans Ehepaar Stucki in Basel, bei dem sie kurze Zeit glücklich war und die sie als ihre Eltern betrachtete. An diesem liebevollen Pflegeplatz durfte sie aber nicht bleiben.

 

Weder die Heimatgemeinde Reigoldswil BL noch die Stadt Basel wollten die Verantwortung für das Kind wahrnehmen, und so wurde Alice als Kleinkind zunächst hin- und hergeschoben und in der Folge nach Reigoldswil, Tenniken, Frenkendorf und Liestal verdingt, bevor sie, knapp sechzehnjährig, einmal mehr abhaute; diesmal nach Zürich, wo sie bei ihrem Vater unterzukommen hoffte. Willkommen war sie aber auch da nicht. Und auch später als junge Frau plagten sie die offenen Fragen weiter: «Warum wurde ich verdingt? Wo waren die Eltern? Was geschah mit der Mutter? Weshalb sind die rechte Hand und der linke Ellbogen verkrüppelt?» Erst die gründliche Recherche in den Archiven durch die Autorin brachte der Protagonistin Antworten.

Wer Alice im Pflegeheim besucht hat, dem blitzten hellwache Augen entgegen, und die eine oder andere Flöte lag auf der Kommode. Bis zum Beginn der Arbeit an diesem Buch wusste Alice ausser ihrem Geburtsdatum und dem Geburtsort nichts über ihre ersten vier Lebensjahre. Bei laufendem Aufnahmegerät erzählte sie deshalb ihre Geschichte vom Moment an, wo ihre Erinnerung als bald Fünfjährige einsetzt. Das Kind einer italienischen Mutter und eines Schweizer Vaters – die sie erst im Laufe der Kinderzeit bzw. als Jugendliche kennen lernt – musste viele Demütigungen und Schläge einstecken, wurde als Arbeitskraft herumgereicht und gnadenlos ausgebeutet.
Trotzdem ist Alice an ihrem Schicksal weder zerbrochen noch verbittert worden. Sie sang und musizierte sich buchstäblich durchs Leben und ist ein aussergewöhnliches Beispiel dafür, dass ein Leben auch unter schwierigen Vorzeichen reich und sinnvoll gestaltet werden kann. Wie Alice das tat, davon erzählt dieses Buch, das zugleich ein Jahrhundert einfängt und damit ein eindrückliches Stück Schweizer Geschichte schreibt.

 

Alice Alder-Walliser
Geb. 1913 in Birsfelden, verdingt bei verschiedenen Pflegefamilien, nimmt, unterstützt von verständigen ‹Schutzengeln›, das Leben in die eigenen Hände, wird Näherin, Schneiderin, lernt trotz verkrüppeltem Arm Geige, Handorgel und Flöte spielen. Heiratet, hat drei Söhne, macht als über Sechzigjährige am Konservatorium auf der Flöte einen Diplomabschluss, leitet Chöre und ­Flötenspielgruppen.

Alice starb im Alter von fast 99 Jahren am 27. April 2012 im Pflegeheim Nidelbad  Rüschlikon.

 

Als Verdingkind wurde sie gequält, als Ehefrau musste sie zurückstecken. Doch Musik half Alice Alder, ihr Leben zu meistern. Sie besuchte mit über 60 das Konservatorium und blickt mit 99 versöhnt auf ihr Leben zurück. Manchmal musste die kleine Alice allein zum Holzen in den Wald gehen. Doch es war ihr keine Last, denn im Wald konnte sie singen. Und das liess sie alles andere vergessen. Den feuchten Keller, die Schläge, die bösen Worte. Im Singen fand Alice Freude und Sinn. Das sollte sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen.
Regula Tanner, Schweizer Familie

Heute lebt die 99-jährige in einem Pflegeheim in der Nähe von Zürich. Ihre ganze Kindheit sei «Angst und Verzweiflung» gewesen, aber auch ihr Konfirmandenspruch habe sich bewahrheitet: «Durch Gebet und Gnade ist es ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde.» Der Autorin Erica Brühlmann-Jecklin hat die Tochter einer italienischen Mutter und eines Schweizer Vaters bei laufendem Aufnahmegerät ihr Leben erzählt – ein Leben, über dessen erste vier Jahre sie ausser dem Geburtsdatum und dem Geburtsort nichts wusste. Die Mutter war nach einem – wahrscheinlich von ihrem Mann verursachten – Sturz teilweise gelähmt und wurde entmündigt, der jähzornige Vater entzog sich ebenso wie amtliche Stellen der Verantwortung. Von Pflegefamilien weitergereicht und als billige Arbeitskraft ausgebeutet, stellte sich die heranwachsende Alice immer wieder dieselben drängenden Fragen: «Warum wurde ich verdingt? Was geschah mit der Mutter? Weshalb sind die rechte Hand und der linke Ellbogen verkrüppelt?» Erst dank Erica Brühlmann-Jecklins Archivrecherchen, die der einfühlsamen und dichten Lebensbeschreibung etwas von einer detektivischen Spurensicherung verleihen, erhielt die hochbetagte Protagonistin Antworten zu Fragen, die sie zeit ihres Lebens gequält hatten. Dem Buch ist auch eine CD mit Liedern beigelegt, die Alice Alder-Walliser als Kraftquelle durch ihr Leben begleitet haben – Lieder wie ‹I bi en arme Hirtechnab› oder ‹Geh aus mein Herz und suche Freud›.
Alexander Sury, Der Bund 

 

«Für so etwas haben wir kein Geld.» Dieser Satz war so etwas wie das Leitmotiv in den ersten Lebensjahren der 1913 in Birsfelden geborenen und als Verdingkind aufgewachsenen Alice. Als romanhafte Biographie konzipiert erzählt die Autorin Erica Brühlmann-Jecklin einerseits die Geschichte von Alice, gleichzeitig ist es aber auch ein Stück Schweizergeschichte ‹von unten›. «So war es halt damals», mag man bei der Lektüre denken und sich gleichzeitig freuen am Lebensmut der sympathischen Protagonistin.
Bgz., Salve Einsiedeln/Fahr 5/13



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Brühlmann-Jecklin Erica

Geb. 1949 in Küblis GR, Handelsschule, Lehrerin für Krankenpflege, Anatomie und Physiologie. Studium Anatomie, Klinische Psychologie, Masterstudium in Supervision und graduiert als Integrative und Gestalttherapeutin. Verheiratet, Mutter einer Tochter und eines Sohnes. Lebt in Schlieren ZH und ist als Schriftstellerin, Liedermacherin und Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig.

Homepage
www.ebj.ch

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