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Belletristik

 

 

 
     

Broer Denise

Mr A

Alzheimer des Vaters

Erstausgabe 2012, Klappenbr., 13 x 21 cm, 180 Seiten

ISBN 978-3-7296-0843-6
CHF 32.00 / EUR 28.00


mal


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Einen Menschen mit Alzheimer zu begleiten, heisst, den Weg mit ihm jenseits der Normen zu gehen. Manchmal ohne Sprache, dafür mit Gespür. Sich darauf einzulassen, ist das Schwierigste. Wenn es gelingt, kann es bereichernd sein.

 

Wer kennt seine Eltern wirklich? Mal waren sie unsere Vorbilder. Wir ahmten sie nach, lernten, hörten zu, diskutierten, erfüllten Erwartungen, erfuhren Liebe und Enttäuschungen … Das ist der Gang der Dinge in vielen Familien.
Wir werden erwachsen, haben vielleicht eigene Kinder, und es beginnt von vorne. Trotzdem bleiben wir immer Kinder. Das Kind unserer Eltern.
Alzheimer (Mr A) bringt alles durcheinander. Das Eltern-Kind-Verhältnis verändert sich. Die Tochter übernimmt plötzlich Verantwortung für den Vater, lernt ihn anders kennen, entdeckt seine Freuden, Ängste, seine Sichtweisen aus einer völlig neuen Perspektive.
Viele glückliche, traurige, besinnliche, komische, wertvolle und beängstigende Momente sind es für die Autorin geworden. Momente aus der Sicht des Vaters mit Mr A, Momente aus der Sicht der Tochter.
Aus ihren Aufzeichnungen ist ein einfühlsames und in seiner Form unübliches Buch entstanden, mit abrupt abgebrochenen Zeilen. Ein Buch, welches Momentaufnahmen beschreibt, die der Krankheit ein wenig den Schrecken nehmen. Und einmal mehr bestätigt, dass es sich lohnt, mehr hinzuhören und «hinzufühlen», als zu viel zu sprechen.

 

 

«Dieses Buch beginnt mit der Diagnose Alzheimer und endet mit dem Tod des Vaters. Es herrscht aber nicht Traurigkeit und Verzweiflung, sondern Liebe und Akzeptanz vor. Die Autorin schildert gute und schlechte Tage. Wir lesen ein sensibles, berührendes und humorvolles Porträt des Erkrankten. Es zeigt, dass Mr A ihn nicht klein kriegt: dass der Vater zwar ein anderer wird, aber trotzdem noch der vertraute Papa bleibt. Die guten Erfahrungen aus Kindertagen helfen ihr, sich heute immer wieder neu auf ihn und seine sich wandelnden Sorgen und Bedürfnisse einzustellen. Sie findet ein Pflegeheim, in dem ihm bis zuletzt mit Würde und Respekt begegnet wird, und in dem er noch viele schöne Monate lebt. Unbedingt lesenswert!»
Svenja Sachweh, Altenpflege Medientipp

 

«Der Autorin gelingt etwas sehr Ungewöhnliches: Sie nimmt der Demenz die Tragik und Schwere, indem sie das Sein ihres Vaters so schildert, wie sie und alle Bezugspersonen auf dieses Sein im Augenblick eingehen. Die Ich-Perspektive wird so fast durchgängig zur Du-Perspektive. Damit wird klar, welch sensible Wahrnehmung des Gegenübers notwendig und wie wichtig diese ist. Ebenso gelungen finde ich, dass es eine unter die Haut gehende Liebesgeschichte gibt. Die ist nur mit wenigen Worten angedeutet, aber diese wenigen Szenen und Worte sagen unglaublich viel. Auch der Abschied vom Vater, der Sterbeprozess, ist – ohne Pathos – einfühlsam dargestellt. Das Buch hat mich sehr berührt.»

Gesina Stärz

«Wir werden erwachsen, haben vielleicht eigene Kinder, dennoch bleiben wir immer eines: das Kind unserer Eltern. Alzheimer bringt alles durcheinander. Das Eltern-Kind-Verhältnis verändert sich. Die Tochter übernimmt plötzlich Verantwortung für den Vater, lernt ihn anders kennen, entdeckt seine Freuden, Ängste, seine Sichtweisen aus einer völlig neuen Perspektive. Genau so ist es der Autorin Denise Broer ergangen. In ihrem Buch ‹Mr A.› schildert sie glückliche, traurige, besinnliche, komische, wertvolle und beängstigende Momente – aus der Sicht des Vaters mit A. (Alzheimer) und aus ihrer eigenen. Es sind Momentaufnahmen, die der Krankheit ein wenig den Schrecken nehmen und einmal mehr bestätigen, dass es sich lohnt, Menschen mit Alzheimer ohne Sprache, dafür mit Gespür auf ihrem Weg zu begleiten, also mehr hinzuhören und hinzufühlen, als zu viel zu sprechen.»
Bieler Tagblatt (mt)

 

«“Du meinst, Mr A sitzt auf meiner Schulter?“, so reagiert der Vater auf die Mitteilung seiner Tochter, dass er krank sei, sein Gehirn immer mehr einem Sieb gleiche, durch das wichtige Informationen, Gedanken, Worte immer wieder hindurch fallen und verloren gehen. Sie wollte es ihm schonend beibringen, doch er versteht durchaus, worum es geht, auch wenn der Name der Krankheit, ‹Alzheimer›, zu kompliziert für ihn ist. Tatsächlich stellt diese Krankheit eine grosse Herausforderung dar. Nicht nur der Vater muss sich damit auseinandersetzen: Seine Frau, mit der er mehr als 50 Jahre verheiratet ist, gelingt es nicht, die Krankheit zu akzeptieren. Sie bricht jeden Kontakt ab und antwortet auch nicht mehr auf die Briefe, die er ihr aus dem Heim schickt. In dieser Konstellation ist es die jüngere Tochter, die einen intensiven  Kontakt mit ihrem Vater pflegt, die versucht, seine Krankheit zu verstehen und zu akzeptieren, bis sie schliesslich sagen kann: „Mr A hat mir dich nahe gebracht, hat mich dich lieben gelehrt, hat mich über dich mehr erfahren lassen als je.“

Denise Broer bedient sich in ihrem Buch eines ungewöhnlichen Stilmittels, indem sie zwischen der Perspektive des Vaters, die durch die Krankheit ver-rückt erscheint, und zwischen ihrer eigenen Perspektive, der allgemein als gültig anerkannten Realität, hin und her wechselt. Ihr gelingt dabei eine sehr sensible Wahrnehmung ihres Gegenübers, und ihre Fähigkeit, auch in zunächst unverständlich erscheinenden Handlungsweisen einen Sinn zu erkennen, macht Mut, sich auf die Krankheit einzulassen. Ihren Lesern hilft Denise Broer, die Demenz auf eine neue Weise zu verstehen, sich in das Erleben eines Menschen mit Demenz hineinzuversetzen. Dieses Buch gibt Kraft. Es zeigt die Demenz nicht als tragischen Schicksalsschlag, sondern als einen Abschnitt des Lebens, der trotz aller Hindernisse bewältigt werden kann und die Chance auf eine neue Form des Umgangs miteinander bietet.»

Berlin Alzheimer Info, Susanna Saxl



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Broer Denise

Geb. 1961, nach Grundschule, Verkehrsschule Luzern, Luftverkehrskontrollassistentin, Detail­handelsfachfrau, Gemmo­login. Später Quereinsteigerin in einer Privatbank. Heute Client Service Manager für institutionelle Kunden. Lebt mit Partnerin in Wetzikon ZH.

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