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Bücher von, mit, über Mani Matter

 
     

Rothen Paul Bernhard

I de gottvergässne stedt

Mani Matter und die Verteidigung des Christentums

Erstausgabe 2013, Klappenbr., 13 × 21 cm, 144 S.

ISBN 978-3-7296-0862-7
CHF 26.00 / EUR 23.00


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«So einfach, wie sich’s der Russel macht, ist es dann doch nicht.» In seinem 2011 erschienenen Cambridge-Notizheft fasst Mani Matter präzise die Anliegen der zeitgenössischen Berufstheologen zusammen und stellt scharf die Stärken und Schwächen ihrer Gedankensysteme heraus.

 

Liegt es am kirchlichen Apparat, der die Bibel umgibt, dass diese nicht mehr als eine inspirierende Quelle erscheint? Matter fragt nicht nach Trost und Frömmigkeit, sondern nach dem, was mehr als der zivilisatorische Fortschritt und der Einsatz der ganzen Lebenskraft wert ist. Ohne solche Perspektiven kann es weder Kunst noch Wissenschaft geben, ja, überhaupt keine engagierte Berufstätigkeit. So greift Matter mit seinen Fragen über jede Programmatik hinaus, auch diejenige der ‹Moderne› und ‹Postmoderne›. Mit seinem Vertrauen, dass sich Antworten finden lassen, die weder dogmatisch verhärtend noch relativistisch zersetzend sind, erweist er sich als ein ferner Schüler des Sokrates. Seine Überlegungen öffnen den Nachgeborenen ein Feld, auf dem ein Disput möglich wird, dessen freie Kritik begrenzt wird von einer ebenso unverkrampften Selbstkritik.
Auch vierzig Jahre nach seinem frühen Tod singt sich Mani Matter mit seinen Liedern in die Herzen von Jung und Alt. Die hohe Kunst, mit der er Menschen aller Schichten erreicht, erwächst aus einer vorbehaltlosen Liebe zum Leben, die das unscheinbar Kleine zum Sinnbild für die hellen und die dunklen Rätsel des Daseins erhebt. Mit dieser Liebe hat Matter – mit der Freiheit eines Aussenstehenden – im Christentum einen Angeklagten entdeckt, der es wert ist, verteidigt zu werden.

Hier das kleine Manuskript, in dem ich die Anliegen Mani Matters aus der Sicht eines Theologen zu fassen versuche. Je länger ich Matter lese und höre, umso vielschichtiger und präziser enthüllen sich die Zusammenhänge in seinem Denken und Dichten.
P.B.R.

 

 

«Insgesamt rekonstruiert Rothen präzise, erhellend und engagiert Matters Auseinandersetzung mit den Grundfragen unserer Gesellschaft, wie sie sich in seinen aphoristischen Reflexionen und Chansons findet.[…] Gleichwohl stellt Rothens Matter-Lektüre einen wichtigen Beitrag zur Matter-Forschung dar. Denn Matters Interesse für theologische Fragen wurde zwar verschiedentlich festgestellt, aber meines Wissens noch an keiner Stelle einer fokussierten Darstellung gewürdigt.»
Berner Zeitschrift für Geschichte, David Plüss, April 2016

 

 

Interview mit Paul Bernhard Rothen
Der Berner Liedermacher wollte wissen, welche Argumente für das Christentum sprechen. Das Buch von Pfarrer Paul Bernhard Rothen bringt Überraschendes ans Licht. Mani Matter war drauf und dran, eine Verteidigung des Christentums zu schreiben.
Herr Dr. Rothen, Sie leben und arbeiten als Berner im Appenzellerland, beschäftigen sich aber immer wieder mit dem Troubadour Mani Matter. Steckt da ein bisschen Heimweh dahinter?
Ich möchte sagen: Heimatliebe. Als Berner bin ich mit Mani Matter aufgewachsen. Er hat mein Sprachempfinden geprägt und – vermutlich – bei meiner Berufswahl eine Rolle gespielt.
Haben Sie tatsächlich wegen Mani Matter Theologie studiert?
In einem Zwischenjahr, als ich nicht wusste, ob ich Jura oder Theologie studieren sollte, trugen Mani Matters «Sudelhefte» dazu bei, dass ich mich dem Theologiestudium zuwandte. Denn Matter hat gegen Ende seines kurzen Lebens das Politische überschritten und sich theologische Fragen gestellt. Diese haben ihn schliesslich mehr bewegt als die Staatswissenschaft. Das signalisierte mir: Es lohnt sich, über Theologie nachzudenken. Das viel später veröffentlichte «Cambridge Notizheft» macht vollends deutlich, wie intensiv sich Mani Matter mit Theologie beschäftigt hat.
Sie suchen in Matters Texten nach theologischen Anknüpfungspunkten. Diese lassen Sie auch mal in Predigten einfliessen. Wie sind die Reaktionen?
Mani Matters Kunst spricht noch heute die meisten Menschen an. Die besten Testfelder sind Konfirmationsunterricht und Altersnachmittage. Sobald Matters prägnante Stimme ertönt und er seine Geschichten zu entfalten beginnt, gehen die Hörer mit. Sie kennen die Beobachtungen und teilen viele Fragen. Selbst unruhige, gelangweilte Konfirmanden werden gepackt! Dasselbe erlebe ich mit Senioren. Bei Predigten sind die direkten Reaktionen schwerer einzufangen. Allein schon deshalb, weil ich da keine elektronischen Hilfsmittel verwende und Matters stimmliche Präsenz fehlt.
Wie erklären Sie sich das anhaltende Interesse an Mani Matters Liedern und Texten?
Sie sind grosse Kunst. Nicht abgehoben, alles andere als banal. Ich vergleiche sie mit Chorälen, die Menschen aller Schichten ansprechen.
In Ihrem Buch beleuchten Sie einzelne Fundstücke aus Matter-Texten. Die sind manchmal klein, nur ein Nebensatz – Im Lied vom «Zündhölzli» ist es gerade mal der Ausspruch «Gott sei Dank». Überziehen Sie da nicht manchmal die Bedeutung, die der Autor damit beabsichtigt hat?
Das darf man sich mit Recht fragen. Mein Buch geht aber einen anderen Weg. Ich beleuchte zuerst Matters Schaffen im Kontext der Kulturgeschichte. Dann referiere ich seine theoretischen Schriften, in denen er nicht nur in Randbemerkungen, sondern seitenweise über Theologie nachdenkt. Ich interpretiere seine Lieder vor dem Hintergrund dieser Reflexionen in seinen Tagebüchern. Wie in einem Krimi oder einem Western stellt Matter die Frage nach Gut und Böse, während in der modernen Rechtsprechung nur noch von Regeln und Regelübertretungen gesprochen wird. Bei Matter ist das auffallend anders. Wenn seine Lieder die Menschen beschäftigen, dann weil sie tiefere Ebenen ansprechen als Mani Matter selber ganz ausloten konnte. Zudem war er ein Sprachgenie.
Idea Spektrum Schweiz

Der promovierte Theologe Paul Bernhard Rothen, Pfarrer im Hundwil AR, fasst in einem Buch zusammen, was er in Vorträgen über die Grundlagen von Mani Matters Werk erarbeitet hat. Der Autor war selbst überrascht über den inneren Zusammenhang von künstlerischem Schaffen, politischem und zunehmend theologischem  Denken bei Matter. Bernhard Rothen interpretiert auch einige Lieder und daraus Fundstücke, die zeigen, dass es sich lohnt, nach dem zu fragen, was über die sozialistischen und neoliberalen Zukunftsperspektiven hinausreicht. Seine Liebe zum Lebenführte Mani Matter dazu, über eine Verteidigung des Christentums nachzudenken.
Rolf Höneisen, Idea Spektrum Schweiz

Auch Mani Matters ‹Hausverlag› Zytglogge, vor fast 50 Jahren gegründet, weil den grossen Zürcher Kulturverlagen Matters Lieder zu lokal und zu banal erschienen, überrascht mit einem neuen Buch. Der Theologe und Pfarrer Paul Bernhard Rothen geht darin den theologischen und biblischen Bezugspunkten in Mani Matters Liedern und Schriften nach und liefert weitere Beweise der vielseitigen intellektuellen Denkarbeit des ‹Värslischmieds›.
Martin Hauzenberger, Zeitlupe 7/8


Als Kind hat Paul Bernhard Rothen, heute Pfarrer in Hundwil, Mani Matter noch live erlebt. Später habe er dann dessen Texte gerne in Predigt und Konfirmandenunterricht verwendet. Nun hat ihn Mani Matters ‹Cambridge Notizheft› (erschienen 2011) zu einer Gesamtinterpretation des matterschen Denkens  und Schreibens angeregt. Er holt dafür geistesgeschichtlich weit aus, auch wenns «bloss» um Zündhölzli geht. Und er entdeckt bei Matter, der sich für moderne Theologie interessierte, aber vollkommen areligiös aufwuchs und blieb, etwas gar viel Christliches. Doch den lapidaren Witz und die Alltagsthemetik der Lieder für einmal mit den politisch-theologischen Gedanken der Tagebücher zusammen zu betrachten, erhellt den geliebten Värslischmied auf neue Weise: in seiner grossen Doppelbegabung als Künstler und als Denker.
Kathrin Meier-Rust, NZZ am Sonntag


Mani Matter hat nie Gott gesucht. Trotzdem setzte er sich besonders im «Cambridge Notizheft» mit religiösen Fragen auseinander und prüfte die kulturelle Tragkraft des Christentums. Der Pfarrer Paul Bernhard Rothen untersucht in seinem interessanten Essay detailliert Matters Werk nach theologischen Spuren.
pfarrblatt




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Rothen Paul Bernhard

Geb. 1955 in Stockholm, aufgewachsen in Münsingen BE, Realgymnasium Bern-Neufeld, Studium der Theologie in Bern, Lund und Heidelberg, kunst- und theaterwissenschaftliche Studien in Paris. Pfarrer 1984–1992 in Zweisimmen BE, 1992–2010 am Basler Münster und seither in Hundwil AR. Verheiratet, zwei Kinder.
Der Autor hat zahlreiche Kirchenspiele und szenische Lesungen inszeniert und die Rauminstallation ‹Von Liebe wegen› zum Berner Brief von Niklaus von Flüe als Wanderausstellung konzipiert. In Bern promovierte er mit einer Arbeit zu den theologischen Grundlagen bei Martin Luther und bei Karl Barth (‹Die Klarheit der Schrift›). 2009 publizierte er das Ergebnis seiner praktisch-theologischen Studien im Buch ‹Das Pfarramt – Ein gefährdeter Pfeiler der europäischen Kultur›.
Sein Beruf als Pfarrer verleiht ihm das Privileg, Tag für Tag Anteil zu nehmen an der Freude und am Leid vieler Menschen und diese Erfahrungen mit den überreichen Sprachschätzen des Bibelwortes zu bearbeiten. Deshalb weigert er sich, sich freiwillig von der Amtskirche zu verabschieden. 

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pbrothen(at)stiftungbruderklaus.ch

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