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Die Turmuhr für die Bücherzeit schlägt schon 40 Jahre
An die 700 Titel hat der Zytglogge Verlag bereits veröffentlicht und hält zumindest die Hälfte noch immer lieferbar. Verleger Hugo Ramseyer lebt die Treue zu seinen Büchern und Autoren auch an der Schwelle zum fünften Jahrzehnt des Berner Verlags.
Vor vier Jahrzehnten gründeten Hugo Ramseyer und Rolf Attenhofer den Zytglogge Verlag und produzierten erst mal fünf Jahre lang Schallplatten. Beide leiteten das Zytglogge-Theater in Berns Altstadt und liessen die Stimmen von Mani Matter, von Emil, Franz Hohler auf Schelllack pressen, damit sie nicht vergessen gingen, wenn der Bühnenmeister das Licht ausschaltete. Davon sind noch alle Stimmen lieferbar auf CD natürlich.
Zytglogge ist heute eine Marke nicht nur bei den Kleinkünstlern, auch bei den Buchhändlern. Ramseyers Geschick besteht nicht nur darin, die Trends immer ein wenig früher als andere aufgespürt zu haben. Er hat auch einen sicheren Blick für Mitarbeitende. Beat Brechbühl war sieben Jahre lang Verlagsleiter (bis er auszog, um selber Verleger zu werden). Lektor Willy Schmid gab Autoren mit seiner Stilsicherheit eine Heimat, bis sie von anderen Verlagen abgeworben wurden (Gerhard Meier). Und Ramseyer zeigte immer wieder Wagemut. Mit Büchern von Rolf Geissbühler, von Alex Gfeller Autoren, die ausserhalb des Literaturbetriebs kaum wahrgenommen wurden. Und manchmal wurden stille Bücher zu Bestsellern, weil sie an ein Tabu rührten (Iris Galeys ‹Ich weinte nicht, als Vater starb›).
Reziproke Treue
Wenn es eine ‹Zytglogge-Spur› gäbe, die in den vergangenen vierzig Jahren durch die Entwicklung der Schweizer Gesellschaft zu ziehen ist, fände man sie immer am Beginn von Auseinandersetzungen, von Veränderungen, die Hugo Ramseyer mit angeschoben hat. «Wir haben die Kleintheaterszene präsent gehalten, Cartoons als einer der ersten Verlage in der Schweiz publiziert und mit dem Didaktik-Werkbuch eine Gegenbewegung zum starren Schulbuchprogramm geschaffen», sagt er. Und streift die Zeitungen und Zeitschriften, die sich Zytglogge einiges kosten liess zu Gunsten der Kleinkunst (auch): Zum Beispiel die Zytglogge-Zytig, die sich der Verlag zum 10-Jahr-Jubiläum leistete und von Autoren wie Lukas Hartmann, Sam Jaun, Daniel Leutenegger oder Martin Hautzenberger redigiert worden war und Monat für Monat eine der ersten umfassenden Kulturagendas publizierte. Später wurde die Zytglogge-Zytig zum Stehplatz, um das Blatt auch namentlich vom Verlag zu trennen, doch mittlerweile hatten grosse Zeitungsverlage die Nische für sich reklamiert - der Stehplatz wurde eingestellt, und auch der Vertrieb der Fachblätter Dissonanz (für neue Musik) und die Literaturzeitschrift Einspruch, die der Filmemacher Alexander Seiler verantwortete, gab man in andere Hände.
«Wir haben die Kraft der Provinz aufgewertet», sagt Ramseyer auf die Frage, welche Bilanz er nach 40 Jahren verlegerischen Wirkens zieht. Für sich beansprucht er keine eigene ‹Wirkungsgeschichte›. Auch den Weg zum Verleger sieht er als eine logische Folge der von ihm ausgeübten Berufe: Musiker, Regisseur, Lehrer, Journalist, TV-Moderator. Alles Tätigkeiten, die die kurzzeitige Aufmerksamkeit bedienen. Ein Verleger indessen könne mit seinen Büchern eine andere Langzeitwirkung erzielen.
So wirkt sich die Treue zu den Büchern, den eigenen, auch als reziprok aus: Jürg Jegge, Kleinkünstler und Lehrer, bot nach einem Auftritt im Zytglogge-Theater sein Manuskript an und löste mit dem Buch ‹Dummheit ist lernbar› eine nachhaltige Debatte übers Schulsystem aus, mithin wurde der Titel zum geflügelten Wort und ist Bestandteil des pädagogischen Sprachschatzes geworden. «In den Achtziger- und Neunzigerjahren gehörten wir zusammen mit Lenos oder Limmat zu den Verlagen, die es stets gewagt haben, Positionen zu beziehen», erklärt Ramseyer: Psychiatriekritik, Religionskritik, das Thema Verdingkinder, Behinderung, Umweltschutz, Inzest gehören dazu.
Die Bücher aus dem Zytglogge-Verlag haben angestiftet zum Diskurs, der nicht überall wohlgelitten war. Hans A. Pestalozzis Bücher riefen zur positiven Subversion auf und waren durchaus als theoretische Fundamente einer damals sich bildenden ökologischen Bewegung zu lesen. Und Urs Frauchigers rhetorisch gestellte Frage, «Was zum Teufel ist mit der Musik los?», plädierte für eine vom musealen Kitsch befreite Begegnung mit der klassischen Musik da fehlt nur noch der Hinweis, dass diese Titel allesamt (und es wären noch viele zu nennen) die Bestsellerlisten zierten und dem Verlag das notwendige Betriebskapital für Expansionen lieferte.
Allerdings eine, die nicht eben glimpflich ablief.
So unterhielt der Verlag eigene Büros in Bonn und Wien und beschäftigte bis zu 24 Personen bis sich Hugo Ramseyer zu einem heute als heilsam zu nennenden Schnitt entschied: Er hat die Zeichen der Zeit früh erkannt und Zytglogge auf ein überschaubareres Mass zurückgestutzt. «Sonst gäbe es den Verlag heute nicht mehr», ist er überzeugt.
Historische Romane, Mundart
Heute dominieren historische Romane, Mundart nach wie vor die Belletristik, die schon zu Beginn des Buchverlags das Gesicht von Zytglogge prägte, als Gerhard Meier von Egon Ammans eingestelltem Kandelaber Verlag übernommen worden war. Allerdings bedient der Verlag heute weniger die zeitgenössische Literatur. Mit Autorinnen wie Therese Bichsel, Ursula Meier-Nobs oder Katharina Zimmermann pflegt Ramseyer das Genre des historischen Romans und das der Lebensgeschichten,die zuweilen auch in Mundart erscheinen (Christine Kohler) und damit ein dankbares Publikum finden, das weniger an der geschliffenen Formulierung Freude findet als an der historischen Wahrhaftigkeit der erzählten Zeit. Eine im besten Sinne des Wortes Aussenseiter-Literatur, die vor allem im Kanton Bern ein grosses Stammpublikum findet wie nirgendwo sonst in der Deutschschweiz. Hugo Ramseyer hat den Verlag für die Zukunft gut aufgestellt. In Oberhofen am Thunersee hat er ein Anwesen erworben, das zugleich Verlagssitz ist. Hier arbeiten, auf Stellenprozente umgerechnet, fünf Vollzeit-mitarbeitende an Produktion und Vertrieb von jährlich an die 18 Titel. Fürs Lektorat ist Ramseyer mit seiner Ehefrau Bettina Kaelin zuständig, und sie bringt einen Blick für jüngere Autorinnen und Autoren mit, «denn wir wollen nicht nur mit unseren Autoren älter werden», sagt der Verleger.
cb, Schweizer Buchhandel
Eine Schweizer Legende wird 40
Zytglogge feiert sich und seine Künstler
Zum Geburtstag hat sich der Zytglogge Verlag auch gleich ein tolles Geschenk gemacht: ein neues Verlagshaus am idyllischen Thunersee im Berner Oberland.Die neue Adresse heisst Schoren 7, CH 3653 Oberhofen (Telefon 033 244 00 30,Fax 033 244 00 33). Am 20. August lädt Zytglogge, auf Deutsch heisst das Zeitglocke, zum Tag der Offenen Tür ein.
Patent Ochsner: über 30'000 x ‹Schlachtplatte›
Verlagsleiter Hugo Ramseyer und sein Team haben seit 40 Jahren vielen bekannten Schweizer Stars Starthilfe gegeben, so unter anderen dem auch in Deutschland bekannten Kabarettisten Emil Steinberger sowie Schweizer Topstars wie Peter Reber, Andreas Vollenweider oder Patent Ochsner. Ist das nicht ein Frust, wenn die Künstler, kaum sind sie bekannt, die Fronten wechseln und zu Major Companies gehen? Hugo Ramseyer: «Wir gelten als Aufbau- und Startverlag. Das haben wir den Autoren und Musikgruppen auch immer gesagt. Klar freut es uns, wenn uns Künstler die Treue halten. Auf jeden Fall nehmen wir immer eine Optionsklausel in den Vertrag. Falls aber ein internationales Label kommt und viel mehr bietet, müssen wir schauen, ob wir mithalten können, oder wir lassen sie ziehen. Viele sind im nachhinein vielleicht sogar etwas enttäuscht gewesen, wenn sie gemerkt haben, dass es auch gut gewesen wäre, wenn sie bei Zytglogge geblieben wären.»
Eine gute Spürnase jedenfalls haben die Leute von Zytglogge immer gehabt. Die erste CD von Patent Ochsner, ‹Schlachtplatte›, erschien bei Zytglogge und verkaufte sich über 30'000 Mal. Ramseyer: «Wir haben den Mut, die Nase, bei einer Gruppe oder einem Künstler zu merken, dass jemand Potenzial hat. Seit kurzem haben wir drei neue Rockgruppen im Programm: Maze, englisch gesungen, Mirja & Band, eine talentierte Mundartsängerin, und im Herbst folgt Notabene, die sind im Rocksegment drin, aber nicht so populär wie etwa Plüsch. Die Gruppe George liessen wir ziehen. Sie waren bei uns unglücklich.» Vertrieben wird der Zytglogge Katalog von der Winterthurer Independent-Firma Phonag AG. Ramseyer: «Damit sind wir sehr zufrieden. Eine alte Bekanntschaft seit den Zeiten von Peter Frei.»
Zum Jubiläum ‹40 Jahre Zytglogge› erscheint ein Tribut-Album für Peter Reber. Ramseyer: «Seine erste Scheibe mit Peter, Sue & Marc haben wir gemacht, eine Extended-Play-Single. Auch seine erste Mundart-CD erschien bei uns. Reber gab zwei Songbooks bei uns heraus, uns verbinden seit den 70er Jahren freundschaftliche Bande. Zurzeit machen wir einen ähnlichen Versuch wie damals mit der CD-Compilation ‹MatterRock›. Wir haben 50 Bands eingeladen, eigene Adaptionen von Peter-Reber-Klassikern zu produzieren.»
Auch die legendären Berner Troubadouren, deren bekanntester der allzu früh verstorbene Mani Matter ist, werden mit dem Zytglogge Verlag 40 Jahre alt. Im Stadttheater Bern gaben sie im März ein Jubliläumskonzert. Davon gibts ab sofort eine Doppel-CD mit Bernhard Stirnemann, Fritz Widmer, Jacob Stickelberger, Ruedi Krebs und Markus Traber, den einstigen Matter-Kollegen. Hugo Ramseyer dazu: «Mani Matter hat soviel bewegt in der Szene. Er war eine Art Frühreifer, auch als Schriftsteller in der Gruppe Olten, hat so vieles und viele angeregt. Als Liedermacher ist er für sehr viele Schweizer Musiker noch immer ein Massstab. Für uns auch, wenn wir uns die Musik neuer Liedermacher oder Chansonniers anhören, die uns ihre Werke einsenden. An Mani Matter ist punkto Qualität und Philosophie sowie komplexe Inhalte keiner herangekommen. Die fünf Troubadouren haben schon eine eigene Sprache, das ist unbestritten. Alle waren sie auch mit Mani Matter befreundet.»
Der Katalog des Zytglogge Verlags ist sehr vielseitig. Auf die bekannten, bereits erwähnten Liedermacher folgten Namen wie Jürg Jegge, Martin Hauzenberger, Aernschd Born, Tinu Heiniger, Walter Lietha, Werner Widmer, tschou zäme, Housi Wittlin, Dänu Brüggemann, Pippo Pollina und Linard Bardill. Auch im stili-
Nicht der grösste, aber der vielseitigste Verlag
stisch vielseitigen aber inhaltlich konsequenten und homogenen Bereich Kabarett und Folk wurde das Programm erweitert. Auf Emil von 1968 folgten im Kabarett Leute wie Franz Hohler, Kaspar Fischer, Joachim Rittmeyer, Osy Zimmermann und andere. Die Namen der Schweizer Volks- resp. internationaler Folk-Musik tragen ein breites Spektrum, von Bärnbieter Spiellüt, Bärner Tanzmusig, Gätzimusig, Husmusig Jeremias, Rundum bis zu La Lupa, I Cantimbanchi, Gir-landia oder mit rockigen Einflüssen Pete Scrowther, Shirley Grimes und Dervish.
Im Bereich Rock kann sich Zytglogge noch immer mit den Grossen messen, vor allem was die Starthilfe anbetrifft. Echte Rockmusik von sixPack, Infra Steff, Vera Kaa, Die Türen, Stiller Has, Hardy Hepp
Im Bereich Rock ist Zytglogge ein Grosser
und Extrem Normal steht neben Hitparadenstürmern wie Patent Ochsner, Natacha und Dodo Hug, die bei Zytglogge Starthilfe erhielten und heute auf grössere, breitere Schienen umgestiegen sind. Zu den neusten Entdeckungen gehören die Bärndütsch-Hiphoper Merfen Orange, die als Überraschung und auch ein wenig als Wegweiser für die nächsten dreissig Jahre Zytglogge erstmals auf der Jubiläums-Doppel CD ‹Best Of ZYT30› vorgestellt wurden.
Es gibt aber auch den so genannten Zyt-Vertrieb. Ein Vertriebsprogramm, das CDs von Interpreten und Bands vorstellt, die ihre Tonträger zwar unter eigener Regie produzieren, den Weg in den Fachhandel jedoch über den Zyt-Vertrieb suchen und finden. So zum Beispiel Fly & the Tox, Ragazzi, Roland Schildknecht, Stubemusig Rechsteiner, Tony Lewis, l'art de passage und andere. Oder die Eigen- und Gemeinschaftsproduktionen mit Radio DRS/KinderClub bei MärIi-Kassetten: Geschichten wie Franz Hohlers ‹Zauberschächteli›, ‹Lubomir›, ‹Wipplala› oder die Erzählungen von Ruth Güdel, Elisabeth Rupp, Christine Olmos, Catherine v. Graffenried und andere.
Studio und live: Viele Aufnahmen für die Zytglogge-Tonträger wurden live im Zähringer-Refugium in Bern (das lange Zeit so etwas wie ein Zytglogge-Dependance-Theater war) mitgeschnitten. Aber auch die Radio-DRS-Studios Bern und Zürich und verschiedene Kleintheater der Schweiz lieferten wertvolle Ton-Dokumente. Die meistverkauften, erfolgreichsten Tonträger zeichnete Rolf Attenhofer mit einer einfachen Studer-Schnürsenkel-Maschine auf (Mani Matter, ‹IrYsebahn›, im Fauteuil-Theater Basel; Emil, ‹Geschichten, die das Leben schrieb›, im Kleintheater Luzern). Die meistgebuchten Tonmeister der letzten Jahre, vorallem für Rock- und Liedermacher sowie für Studio-Aufnahmen heissen Eric Merc (Polo Hofer, Rumpelstilz und viele mehr) und Adi Tosetto.
MatterRock, Musikbücher und andere Abstecher: Natürlich trägt und prägt Mani Matter heute noch das Musikprogramm von Zytglogge. Seine Lieder sind
Spannende Abstecher in andere Genres
im Original, als Wiener Version ‹Gö› und als ‹MatterRock›, mit Interpreten wie Stephan Eicher, Züri West, Patent Ochsner oder Polo Hofer, nach wie vor prominent im Verlagskatalog vertreten. Auch die Musikbücher, die Songbooks mit den Liedern von ‹Tschou zäme› und Peter Reber, die Tanzmusigsammlung von Märku Hafner, der BärnerRockFührer von Heilinger/Diem (‹Muesch nid pressiere›) und ‹Anderi Lieder› von Urs Hostettler zeigen die einzigartige Dichte und die Philosophie dieses Schweizer Indie-Labels auf.
Zytglogge hat über die Jahre immer wieder auch Abstecher in andere Genres wie Tango, Klassik, Soul, Blues, Jazz, Klezmer, Literarisches Kabarett, Filmsoundtrack, Text & Musik und vieles anderes mehr gemacht. Auf Tonträgern, die oft für ein Spezialisten-Publikum gedacht waren und nie in die Bestenlisten kamen. Verlagsleiter Hugo Ramseyer bringt es auf den Punkt: «Nein, der grösste Schweizer Verlag ist Zytglogge nicht, aber sicher der vielseitigste.» Elias Fröhlich, Musikmarkt
Oberhofen: Der Zytglogge Verlag wird 40 Jahre alt
Bücher und CDs vom Thunersee
Im Oktober 2003 ist der Zytglogge Verlag vom Gümligen in die prachtvolle, 1835 erbaute, Villa von Jenner im Schoren 7 in Oberhofen eingezogen. Im denkmalgeschützten Haus, direkt am Thunersee, besitzt der Verlag acht Büros. Er beschäftigt neun Angestellte im Haus sowie drei Personen extern. Das Lektorat wird von drei Personen geleitet: Mitbesitzer und Verlagsleiter Hugo Ramseyer befasst sich vor allem mit dem Mundartprogramm und Büchern aus der Region Thunersee sowie Politischen- und Geschichtsthemen. Bettina Kaelin Ramseyer, ebenfalls Mitbesitzerin, befasst sich vorwiegend mit dem Sachbuch und der Literatur und Brigitte Feuz betreut das Ressort Werkbücher. Die anderen Angestellten arbeiten in den Bereichen Finanzen, Vertrieb, Presse- und Information, Buchpräsentation, Gestaltung, Layout, Ton und im Sekretariat. Die Lehrtochter Mirjam Müller aus Schwanden wird zur Verlagskauffrau ausgebildet.
«Der Verlag bringt jährlich bis zu je zwanzig Bücher und CDs neu auf den Markt», erklärt der Verlagsleiter und ehemalige Lehrer, Radiomitarbeiter, Regisseur, Filmemacher, Musiker und TV-Moderator Hugo Ramseyer. In den rund 40 Jahren sind im Zytglogge Verlag rund 700 Bücher und gleichviel Tonträger erschienen. Viele Bücher aus den Anfängen sind auch heute noch lieferbar.
Es ist ein Verlag, welcher mit seinem breiten Angebot aus der Schweizer Kulturszene nicht mehr wegzudenken ist.
Christian Ibach, Thunerseebote
40 Jahre Zytglogge Verlag
ksi. Seit 40 Jahren gibt es den renommierten Zytglogge Verlag. Seit zwei Jahren residiert er in der Villa von Jenner und gehört zu einem der grössten Arbeitgeber in Oberhofen. Katharina Zimmermann, Therese Bichsel, Eva Zeltner, Bettina Egger, Dodo Hug, Gisela Widmer, aber auch die Berner Troubadours, Mani Matter, Franz Hohler, Helmut Hubacher, Gerhard Meier, Jürg Jegge, Markus Fäh und Beni Thurnheer sind einige der vielen bekannten Namen, die auf der Autoren-Liste des Zytglogge-Verlags aufgeführt sind.
Ein Gespräch mit Verlagsgründer Hugo Ramseyer:
Wie kam der Verlag nach Oberhofen?
Die Liegenschaft in Gümligen, wo der Verlag seinen Sitz hatte, wurde verkauft. Wir sahen uns in der Region Bern nach einem Haus mit zehn, zwölf Räumen um. In der Zeitung stand auch das Inserat der Villa von Jenner. Warum nicht am Thunersee? fragten wir uns. Meine Frau Bettina Kaelin und ich wohnten bereits im alten Schulhaus Felden in Sigriswil. Die Hoffnungen waren nicht all zu gross. Da aber die Familie Wirz die Villa nicht als Spekulations-Objekt oder Feriensitz weggeben wollte und sich einen Nachfolger mit festem Wohnsitz und Arbeitsplätzen vorstellen konnte, ging der Kauf relativ schnell über die Bühne. Es war für beide Seiten ein Glücksfall.
Wie viele Leute beschäftigen Sie in Oberhofen?
Insgesamt sind es zwölf Leute, mehrheitlich Frauen; neun arbeiten in Oberhofen. Von den elf Räumen beanspruchen Ramseyers nur drei. Wir bieten die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit und stellen auch vermehrt Leute aus der Region ein.
Wie sind die Besitzverhältnisse?
Der Zytglogge Verlag ist eine Aktiengesellschaft. Meine Frau und ich sind Mehrheitsaktionär, die Mitarbeiter haben aber die Möglichkeit Aktien zu erwerben.
Ein frecher, politischer Verlag, eine Plattform auch für Nonkonformisten. Einverstanden?
Mit dieser Etikette kann ich leben, ich sehe uns im links-grünen Spektrum. Wir sind Arena, Forum und moralische Anstalt und setzten uns für mutige, gesunde Gesellschaftskritik ein.
Sie haben das Gespür, begabte Autoren zu entdecken, einige, die durch Zytglogge bekannt wurden, wanderten in grosse internationale Verlage ab. Ein Frust?
Das ist sicher hart, ich habe aber auch ein gewisses Verständnis dafür. Natürlich arbeiten wir lieber langfristig und kontinuierlich mit unseren AutorInnen, aber wir sind auch ein Aufbau- und Start-Verlag. Es ist wie beim Fussball. Die attraktivsten Spieler des FC Thun werden, wenn sie sich einen Namen gemacht haben, auch von grossen Vereinen abgeworben. Das gehört zum Geschäft.
Was sind die Stärken Ihres Verlages?
Nebst Belletristik und Werkbüchern ist unsere Stärke sicher das populäre Sachbuch mit Ausrichtung auf verschiedenste Gebiete wie Psychologie, Pädagogik, Politik, Religion, Kreativ-Unterricht etc. Wichtig sind aber auch die regionalen und die literarisch-historischen Themen, die Lebensgeschichten und das Mundart-Programm.
Wie ist das Verhältnis Ton-Buch?
Wir produzieren pro Jahr circa 20 Tonträger und 20 Bücher. Umsatzmässig beträgt der Buchanteil zwei Drittel. Was die Tonträger betrifft, befindet sich die Branche aus verschiedenen Gründen in der Krise (Raubkopien, Internet, etc.)
Am Samstag, 20. August 2005 öffnen Sie die Türen des Verlags. Sind Dorfbewohner auch eingeladen?
Am Verlagswesen interessierte Leute sind am Vormittag willkommen. Um 09.30, 10.00 und 10.30 Uhr gibt es Führungen durch die Verlagsräume. Ab 11.00 kommen die geladenen Gäste von auswärts.
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