Therese Bichsel: Ihr Herz braucht einen Mann
 

 
 

Ein Weib, ein Wort

Bey einem solchen süssen Herrchen lachen Sie ohne Bedenken, und schonen Sie nicht. Schnappen Sie ihn ab, und sagen Sie ihm: Ihr Herz brauche einen Mann, und keinen Wurm.
Marianne Ehrmann

Ende des 18. Jahrhunderts meldete sich eine Frau zu Wort: Marianne Ehrmann-Brentano.
Sie war eine der ersten Schriftstellerinnen und Herausgeberin von Frauenzeitschriften, bewunderte Schiller, und Grössen der Aufklärung wie Lavater und Schubart kreuzten ihren Weg. Bekannt wurde sie durch ihre – in keckem Ton verfasste – ‹Philosophie eines Weibs›.

 

 

 
 

Marianne Brentano wuchs in Rapperswil am Zürichsee auf; mit vierzehn verlor sie die Mutter, ein paar Jahre später trieb der Konkurs des Vaters die Familie ins Ausland, ins schwäbische Wurzach. Einer ihrer Onkel, Dominik von Brentano, Hofkaplan in Kempten, unterstützte Marianne in ihrem Hunger nach Bildung; der Tod des Vaters zwang sie jedoch zur Erwerbsarbeit, und nur wenig später verheiratete sie sich äusserst unglücklich mit einem der Spielsucht verfallenen Offizier.
In Wien versuchte Marianne einen Neuanfang. Aber für Frauen gab es damals kaum Perspektiven jenseits der Ehe. Marianne wurde Wanderschauspielerin – ein moralisch umstrittener Beruf – und trat in Pressburg (Bratislava), Temesvar, Hermannstadt, Wien und verschiedenen deutschen Städten auf.
Sie begann zu schreiben, und die Veröffentlichung ihrer ‹Philosophie eines Weibs› führte sie in Strassburg mit ihrem zweiten Ehemann, dem Publizisten Theophil Ehrmann, zusammen.
Das Schriftstellerpaar – das sich gegen den Widerstand von Theophils Eltern die Heirat erkämpfen musste – emigrierte nach Stuttgart. Dort veröffentlichte Marianne Romane und Aphorismen, ihr Mann redigierte Zeitschriften und verfasste Reisebücher. Doch der materielle Erfolg blieb aus. Ein Glücksmoment war dem kinderlosen Paar beschieden, als sich ein kleiner Adoptivsohn zu ihnen gesellte. Obwohl Marianne Ehrmann – als schreibende Frau – viel Kritik einstecken musste, gewann sie mit ihren Frauenzeitschriften doch eine breite Leserschaft. Und die sensible, temperamentvolle Marianne setzte ihre Arbeit, auch durch Krankheit geschwächt, unermüdlich fort – bis zu ihrem frühen Tod.
In ihrem Ringen um Anerkennung, in der Zerrissenheit zwischen Beruf und Familie mahnt die frühe Schriftstellerin an junge Frauen von heute. Therese Bichsels Roman beruht auf ausgedehnten Recherchen. Mit Gespür und sprachlicher Präzision zeichnet sie das Porträt einer Frau, die im Schreiben und in einer – fast modern anmutenden – Partnerschaft endlich Erfüllung fand. Der Preis dafür war allerdings hoch …

"Die Feder glitt übers Papier, ruhig setzte sie einen Punkt. Ihre Augen suchten die Strassenschlucht, schweiften über die Dächer unter dem blassen Himmel und zurück zum Papier.
Das Schreiben hatte sie damals in Wien erleichtert – jetzt erfüllte es sie mit tiefer Zufriedenheit. Seit die Hetze für die Monatszeitschrift ein Ende hatte, war sie mit dem Schreiben wieder eins.
Sie blickte aufs Blatt. All ihre Themen fanden in den Aphorismen Platz: Bildung von Frauen, das Verhältnis der Geschlechter, Freundschaft und Liebe – Liebe vor allem. War die Liebe nicht Mitte jedes Lebens?
Aber Liebe bedeutete auch Leid. Männer und Frauen veränderten sich unter ihrem Einfluss.
Vieles an der Liebe konnte man beobachten und in Worte fassen, wie sie es versuchte. Anderes blieb ungeklärt, ein Geheimnis."

‹Ihr Herz braucht einen Mann› (18. Jh.) fügt sich, zusammen mit ‹Catherine von Wattenwyl› (17. Jh.) und ‹Schöne Schifferin› (19. Jh.), zu einer Trilogie von Romanbiografien ganz unterschiedlicher Frauen aus drei Jahrhunderten.

Pressestimmen
zu ‹Catherine von Wattenwyl›

«In der hochrhythmischen, ja musikalischen Sprache der Autorin Therese Bichsel wird der Alltag eines entlegenen Jahrhunderts greifbar.»           
Tina Uhlmann, Berner Zeitung

«Ein historischer Roman mit einem ganz eigenen Ton und einer ausgefeilten Textdramaturgie.»           
Monika Burri, Tages-Anzeiger