Tania Kummer: Wäre doch gelacht
 

 
 

Lektorat: Bettina Kaelin
Umschlagfoto: Stefan Kubli
Geb., 13 x 21 cm, ca. 160 S.
CHF 29.- / Euro 19.50
ISBN 978-3-7296-0785-9

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Tania Kummer erzählt von Menschen.
Menschen, die sich in ihrem eigenen Universum einzurichten versuchen.
Die einen haben sich der Welt um sie herum entfremdet. Sie fühlen sich von Hilferufen belästigt, fürchten die Lebensfreude ihrer Partner oder verweigern sich einer verbindlichen Beziehung.
Die andern sind nicht mehr bereit, Isolation oder Fremdbestimmung zu tolerieren. Sie holen sich Hilfe, enträtseln ihre diffuse Befindlichkeit und geniessen die neu gewonnene Zuversicht.
Gespannt beobachten wir deren Alltag. Gespannt deshalb, weil wir die Ahnung von Abgründen oft nicht loswerden und weil wir uns immer wieder selber erkennen im Bestreben nach unserer individuellen Lebensweise.
Tania Kummer erzählt in einer präzisen und dichten Sprache. Sie setzt Wörter in ungewohnte Zusammenhänge. Sie verleiht vertrauten Redewendungen einen erweiterten Sinn. Sie spielt mit der Sprache und bleibt dabei immer sehr genau.
Ihre Worte setzt sie einmal so knapp wie möglich, ein andermal jongliert sie mit ihnen.
In der Eigenwilligkeit ihrer Sprache, die den Charakter ihrer Protagonisten widerspiegelt, verschmelzen Tania Kummers Erzählungen zu einem einheitlichen Ganzen. Dieter Leuenberger


Kein Mädchen will zurück

Mädchen denken, Mädchen reden.
Dann, wenn es so weit ist, denken Mädchen und reden miteinander, lieb und lang.
An sich rauf und runter sehen sie die Erwachsene, die farbenfroh geworden ist und vermittelnd, unheimlich suchend. Ganz offen gestanden suchend. Flehend suchend und lächelnd dahin suchend, dass ihre Körper zerbrechlicher werden und nicht gemütlich, die Körper wollen durch und durch erwärmt werden, nicht mehr gekocht oder geschmolzen. ...
In jeder Ecke der Stadt eine Erinnerung. Die Lieben wurden geheiratet und Väter und wenn es sie nicht mit Kind und Kegel verlandet hat, sind sie noch Städter, die Haare kurz oder länger, sprechen bemüht verwegen und sind nicht mehr wild. ...
Sich zu verlieben dauert so lange. Sich zu verlieben dreht sich nur am Rande um sich selber. Beim Verlieben muss man dem anderen zuhören. Den anderen kennen lernen, und das Neuland ist gross und von anderen Mädchen entdeckt, beackert, warum die Mädchen nun auch noch - haben doch über sich selber schon viel nachzudenken.
Und die Überraschungen sind in die und über die Jahre verkommen, der männliche Körper nur noch Variation in Haaren und Grössen und banal, das Sehen, das Streicheln, das Schlecken, das Saften. Mädchen wissen, was sie kriegen. Romantisch ist der eigene Film, Mädchen sind sich Kamera, wenn sie in der Strassenmitte geküsst werden, der Film heisst Über Nacht hat es zum ersten Mal geschneit, ich war dabei und wurde in der Strassenmitte geküsst. Der Mann gehört nicht zum Cast. Wenn er das will, sagen die Mädchen: Du kannst mich mal gern haben.
Das ist wahr, hab mich gern, heisst es korrekt und ausgewallt: Ungewaschen und mit Grippe, ohne Lachen und Worte, miesepetrig, stinkstieflig, liebesfaul, anstrengend im Zweifel, hab mich gern.
Wollen Mädchen sagen, wenn es so weit ist, wenn sie es sagen können. ...
Die Dringlichkeit schwindet. Zu antworten. Zu machen. Zu. Hinzuschauen, ob es so weit ist. Die Mädchen haben sich beim Grosswerden ausgeboxt, rollen die Bandagen auf, stellen sie zu den andern Verbänden.
Sie gehen in die Stadt, ins Restaurant, mit den anderen Frauen. Ausschnitte aus <Mädchen>

Inhalt
Magie / Selbander / Glasbrüder / Bitte nicht stören / Eingerahmt / Helft! / Helikopteraugen / Trialog / Umziehen / Luxusmodell / In die Berge entwickeln / Ich habe von einem Mann gehört / Fürchten und sorgen / Das Haus der Maus / Angst, so gross wie Tage / Mädchen / Zoe Testarossa / Wurzeln