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Micieli Francesco

Schwazzenbach

Schlaflos in Lützelflüh. Erzählung

Erstausgabe 2012, Klappenbr., 13 × 21 cm, 104 S.

ISBN 978-3-7296-0850-4
CHF 29.00 / EUR 26.00


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Am 16. Juni 1970 lehnten die Schweizer Männer die Schwarzenbach-Initiative mit 54 Prozent Nein-Stimmen ab. Der Abstimmungskampf verlief sehr emotional, auch im bernischen Lützelflüh, Schauplatz von Francesco Micielis Erzählung ‹Schwazzenbach›.

 

Die Beatles hatten sich getrennt, Janis Joplin und Jimmy Hendrix waren gestorben, James Schwarzenbach wollte die Italiener dezimieren. Angelo beschloss, seine Haare nicht mehr zu schneiden, und sah aus wie ein Sautschingg. In der Schule musste er auf dem hintersten Platz sitzen, weil sein Afrolook die Sicht auf die Wandtafel versperrte.
Vierzig Jahre später: Micielis Alter Ego Angelo ist eingeladen, im Dorf seiner Kindheit, wo er als Migrantensohn aufgewachsen ist, über Gotthelf zu referieren. Den Rahmen der Erzählung bilden die drei Tage, in denen sich der nunmehr arrivierte ‹Emigrant› Zeit nimmt, um sich zu erinnern. Gefühle, Szenen und Bilder tauchen auf, die als ‹nicht eingerichtete Erinnerungen› sein Leben begleiten. Das Falschsein und Fremdfühlen in der eigenen Haut und in der Welt um sich herum:
Wir waren Feindgebiet, eine Überwucherung, gefährlich. Wir waren ein unbekanntes Etwas, das den Schweizern die Schweiz wegnahm.
Die Mutter, die nie auffallen wollte:
Zur Arbeit gehen, ohne im Zug einen Sitzplatz zu besetzen. Nach Hause kommen und sich einschliessen. Die Schweiz sollte gar nicht merken, dass sie da war.
Das immer wiederkehrende Gefühl, das Nicht-Wissen, wo zuhause ist. Und schliesslich Heidi, die erste Liebe, bei der Angelo nicht nur damals, sondern auch heute wieder (vergeblich) Zuflucht sucht.
Micieli erzählt aus Angelos ganz persönlicher Sicht ein Stück Schweizer Geschichte, die weit über Lützelflüh hinausführt. ‹Schwazzenbach› ist ein eindrückliches, eindringliches und konzentriertes Dokument darüber, welche Spuren gesellschaftspolitische Bedingungen im persönlichen Leben hinterlassen – und dass es dabei kein Entrinnen gibt.
Corina Lanfranchi

 

«… von diesem bemerkenswerten Schweizer Dichter, dessen so kleine wie feine Textsammlung unbedingt empfehlenswert ist, möchte man gerne noch mehr lesen.»
Klaus Hübner, literaturkritik.de

«Mit seiner Literatur schafft er einen Gegenentwurf.»
Thomas Gärtner, Dresdener Neuste Nachrichten

«‹Schwazzenbach› spiegelt in historischer Perspektive die aktuellen Ausländerdiskussionen. Micielis Verdienst ist es, dass er es mit List und Witz tut.»
Beat Mazenauer,
Die Südostschweiz

 

«Hundert bewegende, lesenswerte Seiten. Francesco Micieli glückt eine ästhetisch elegante, lebenskluge und melancholische Reflektion über Nähe und Fremde, Heimat und Identität. In ständigem Gespräch mit Gotthelf, natürlich. Man kann und muss sein Buch auch als wichtigen Beitrag zur literarischen Landeskunde lesen, der an die von  Schwarzenbachs Deportations-Initiative verschatteten Ängste und Albträume zahlreicher Kinder und Jugendlicher erinnert, die später ganz wesentlich zum Wohlstand und zum Ansehen der Schweiz beigetragen haben. Weshalb Schwazzenbach es verdienen würde, Schullektüre zu werden. Wie die schwarze Spinne.»

Klaus Hübner, Schweizer Monat

 

«1965 kam der damals 9-jährige Francesco Micieli mit seiner Mutter aus Kalabrien ins Emmental, ins Gotthelf-Dorf Lützelflüh. Der Vater war als ‹Gastarbeiter› bereits seit drei Jahren in der Schweiz. Er lebt heute noch im Dorf, wo ihn sein Sohn jeden Sonntag besucht. Ob er sich noch an die ‹Schwarzenbach›-Zeit erinnere, fragt der Sohn den schwerhörigen Vater im Vorwort. Der Angesprochene versteht ‹Schwazzenbach› und entgegnet kopfschüttelnd, einen Ausflug dorthin wolle er nicht machen. Micieli hat sich den für ihn bestimmenden Themen Emigration, Heimat und Fremde mit beharrlicher Konsequenz und einer oft poetischen verknappten, bewusst schlichten Sprache gestellt.»

Alexander Sury, Tagesanzeiger



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Micieli Francesco

Geb. 1956 in Santa Sofia d’Epiro (Italien), seit 1965 in der Schweiz.
Studium der Romanistik und Germanistik in Bern, Florenz und Cosenza. War Regisseur, Schauspieler und Theaterleiter. Lebt heute in Bern als freier Schriftsteller und Dozent an der Hochschule der Künste Bern und an der Schule für ­Gestaltung Bern/Biel. ‹Adelbert von Chamisso-Förderpreis› München 2002, ‹Weiterschreiben› Bern 2009, Poetik-Dozentur Dresden 2011.